Im letzten Jahr durfte ich mein freiwilliges soziales Jahr im Árbol machen und so viele tolle, verschiedene Menschen kennenlernen. Es gäbe sehr viele Situationen und Momente, über die ich schreiben könnte. Ein besonderes Erlebnis war das mehrtägige Sommerabenteuer.

Nach gut geplanter Vorbereitung mit Packen der Taschen, Zusammenstellen der Ausrüstung (Zelt, Isomatte, Schlafsack, Töpfe, Teller und Tassen) und Besorgen des Reiseproviants (Nudeln, Thunfisch, Mayo, Ketchup, Bananenkuchen, Frikadellen, Kartoffeln, Eisteepulver ...) ging es dann am 8. August 2024 mit vollgepackten Rucksäcken endlich los.

Unsere Gruppe "Hakuna Matata", Angie und ich, fuhren mit dem Bus zu unserem ersten Stopp. Nach mehrmaligem Umsteigen und rund drei Stunden Fahrt kamen wir an unserem ersten Ziel, den Wasserfällen, an. Dort bauten wir an einem erlaubten Platz die Zelte auf, sammelten Holz, bereiteten das Essen vor und kochten dann über der offenen Feuerflamme. Nach gefühlten acht Stunden gab es dann endlich das leckere Abendessen, und wir konnten unseren großen Hunger am Feuer in der Dunkelheit stillen. Nach Erledigung des Abwasches, Löschen des Feuers und Zähneputzen fielen wir müde in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Tag ging es auf einer Wanderung zu einem großen Wasserfall. Zwischendurch erfreuten sich die Jungs immer wieder an kleinen Wassereskapaden. Oben angekommen, gab es zur Stärkung Bananenkuchen, bevor es zurück zum Zeltplatz ging. Leider fing es an zu regnen, und wir konnten kein Essen am Feuer kochen und mussten unseren Hunger mit Joghurt und Kuchen stillen. Zudem gab es einen nassen Zeltausfall, sodass wir nach der Nachtwanderung eine besonders beengte Schlafsituation hatten und die Nacht zu zehnt im verbliebenen Zelt verbringen mussten. Für den einen oder anderen war das nicht die bequemste Nacht. Zum Glück ging es dann am nächsten Tag in die Stadt Latacunga, wo wir von einem ehemaligen Árbol-Jungen freundlich empfangen und zu unserer Unterkunft gebracht wurden. Zu unserer Freude brauchten wir keine Zelte aufbauen und konnten bequeme Betten genießen.

Wir erkundeten gemeinsam die kleine Stadt mit zahlreichen Kirchen und anderen Sehenswürdigkeiten, und der ehemalige Árbol-Junge war für uns der beste Reiseführer. Im Unterschied zu Quito leben dort viele indigene Menschen, die das Stadtbild und die dazugehörige Kultur prägen. Mit Unterstützung einer Mitarbeiterin der Unterkunft bereiteten wir zum Abend einen leckeren Thunfisch-Nudelsalat zu und konnten anschließend eine heiße Dusche genießen.

Als Highlight gab es für die Jungs einen Fernseher auf dem Zimmer, während ich ausnahmsweise wieder Internet hatte. Es war schön zu sehen, wie gut der ehemalige Árbol-Junge weiterhin engen Kontakt zum Árbol pflegt und er der Gruppe von seinen früheren Sommerabenteuern erzählt hat.

Morgens ging es mit dem Bus, mit Zwischenstopp in Ambato, nach Baños weiter. Unsere Unterkunft war diesmal ein überdachter Campingplatz, sodass wir zuerst wieder die Zelte aufbauen mussten. Der Platz verfügte über ein kleines Schwimmbecken mit Rutsche, was die Jungs sehr genossen haben und wo sie sich austoben konnten. Diese Momente der Freude und des unbeschwerten Spielens waren eine besondere Bereicherung der Reise.

In Baños blieben wir drei Nächte und haben in den drei Tagen viel erlebt: einen Besuch beim Arzt, eine Fahrradtour zum sehr beeindruckenden Wasserfall Pailón del Diablo mit Hängebrücke und engen Treppen, Ausflüge in die Stadt mit Urlaubssouvenir-Shopping, weiterhin intensive Poolnutzung (mit semi-erfolgreicher Abwehr meinerseits), lustige und intensive Gespräche, zwischenmenschliche Meinungsverschiedenheiten und leckere Kochabende.

Die letzten drei Tage verbrachten wir in Cuenca, wobei die Anfahrt fast einen ganzen Tag dauerte. Irgendwann waren wir dann auch dort und durften wieder bequeme Betten genießen. Wir bereiteten ein Stadtspiel für die Jungs vor, bei dem die Jungs in Gruppen verschiedene Aufgaben lösen mussten, um die Stadt spielerisch kennenzulernen. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des Museums Pumapungo. Wir shoppten in diversen Geschäften, unter anderem in einer sehr leckeren Bäckerei.

Zu ihrem Geburtstag wurde Angie in ein Café gelockt und mit einem leckeren Geburtstagsfrühstück mit Bolón und Pastel überrascht. Neben der tollen Geburtstagsdeko gab es ein sehr harmonisches Geburtstagsständchen und natürlich besondere Geschenke.

Müde und erschöpft kamen wir dann nach neun Tagen zurück im Árbol an. Besonders beeindruckend war der intensive Austausch mit den Jungs in dieser Zeit. Die Reise bot ihnen die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln und einfach mal den Alltag hinter sich zu lassen. Es war spannend zu sehen, wie schön es auf der einen Seite sein konnte und andererseits an manchen Stellen selbstverständlich sehr herausfordernd sein konnte. Die zwischenmenschlichen Konflikte waren natürlich weiterhin vorhanden, aber durch das gemeinschaftliche Urlaubserleben reduziert.

Rückblickend war diese Reise für mich eine unvergessliche Erfahrung. Sie zeigte mir, wie wichtig Gemeinschaft, Naturerlebnisse, Kommunikation und gegenseitige

Unterstützung sind. Ich bin dankbar, dass ich Teil dieses Abenteuers sein durfte und werde mich noch gerne immer wieder daran erinnern.

 

Lennart